Ein Umzug steht an – herzlichen Glückwunsch! Wann haben Sie schon mal die Chance, alle Dinge, die Sie besitzen, einzeln in die Hand zu nehmen und zu verpacken? Das ist ja schon ein emotionaler Ausnahmezustand und dann soll ich auch noch ausmisten? Nicht alles rein in die Kisten, schnell alles hinter mich bringen, ich hab ja noch so viel zu erledigen? Nein. Nehmen Sie sich Zeit. Der Umzug ist für ein konkretes Datum geplant, meist sind es drei Monate im Voraus. Sie haben also genügend Zeit.
Warum ist das so wichtig?
Sie sortieren sich und die Kisten. Sie lassen los. Nicht nur das alte Zuhause, sondern auch Dinge, die Sie schon viel zu lange mit sich herumschleppen. Sie schonen Ihren Geldbeutel, weil Sie weniger mitnehmen und den Rücken der Umzugsleute. Sie müssen weniger auspacken und starten einen echten Neuanfang im neuen Zuhause, ohne dieses gleich wieder mit altem Zeug vollzumüllen. Also Zeit- und Geldersparnis plus emotionaler Ballast wird abgeworfen – Sie starten mit neuer Leichtigkeit.
Aber was soll ich vor dem Umzug ausmisten?
Dinge, die kaputt sind, die doppelt sind, die schon lange nicht mehr benutzt wurden. Dinge, die man mal geschenkt bekommen hat, aber nur aus Verpflichtung behält. Oder Dinge, wo man sagt, die kann ich nochmal gebrauchen – keine Sorge, dieser Zeitpunkt kommt nie.
Wie beginne ich nun aber mit dem Ausmisten?
Halten Sie sich an die eben erwähnte Strategie. Alle diese Dinge kommen weg. Überlegen Sie sich, ist dieser Gegenstand es wert, verpackt zu werden? Geld dafür zu bezahlen, um dann später wieder ausgepackt zu werden!
Fangen Sie klein an. Nehmen Sie sich eine kleine überschaubare Einheit vor. Eine kleine Schublade. Überfordern Sie sich nicht – Sie haben schon genug um die Ohren. Am besten sortieren Sie alles nach Kategorien: Kleidung, Bücher, Papierkram. Fangen Sie mit etwas an, wo Sie am ehesten einen Erfolg sehen, das gibt Ihnen Kraft zum Weitermachen. Am besten mit der Kleidung.
Nehmen Sie jedes Stück in die Hand und fühlen Sie kurz: Macht dieses Teil mich glücklich? Wieviele Vasen hab ich da eigentlich? Brauche ich die alle? Die hässliche von Tante Vera muss ich nicht doch noch mitschleppen! Einzelne Socken? Weg!!!
Machen Sie Kisten mit: Das kann weg, Das möchte ich verkaufen, Das möchte ich spenden, Das verschenke ich in der Nachbarschaft. Machen Sie einen Flohmarkt in der Wohnung/Haus, in der alle Sachen zur Ansicht sind, die Sie nicht mehr brauchen.
Zeitplan für das Ausmisten vor dem Umzug / Schritt für Schritt zum leichten Gepäck
3 Monate vorher: Die Bestandsaufnahme und Grobreinigung
- Keller/Dachboden und Garage: Hier lagern 80% der Dinge, die man eigentlich nicht mehr braucht. Seien Sie radikal: Wenn es seit dem letzten Umzug unberührt im Keller stand, dann weg damit.
- Sammeln Sie rechtzeitig Papier zum Verpacken.
- Starten Sie den Verkauf bei Kleinanzeigen oder Vinted. Je eher Sie damit anfangen, umso besser.
- Drei Monate Zeit – das sind 90 Tage. Planen Sie Ausmistzeit ein. Jeden Tag eine halbe Stunde sind 45 Stunden. Da schaffen Sie schon sehr viel. Oder am Wochenende mal zwei Stunden. Sind bei 3 Monaten auch 36 Stunden – auch schon sehr viel. Bleiben Sie dran, es lohnt sich.
2 Monate vorher: Das Eingemachte
- Die Küche: Gehen Sie alle Schränke durch. Sortieren Sie doppeltes Geschirr aus. Entsorgen Sie ungenutzte Küchengeräte. Verbrauchen Sie Vorräte, anstatt sie einzupacken.
- Der Kleiderschrank: Nutzen Sie die 3-Kisten-Methode. Alles, was nicht mehr passt oder ein schlechtes Gefühl verursacht, kommt in die Kleiderspende.
- Bücher und Medien: Schwere Kisten sind der Albtraum jedes Umzugshelfers. Überlegen Sie genau, welche Bücher Sie wirklich noch einmal lesen wollen.
1 Monat vorher: Feinschliff und Papier
- Überschlagen Sie, wieviele Umzugskartons Sie benötigen und bestellen Sie diese. Umzugsunternehmen bieten die Überlassung von Umzugskartons an; wenn Sie dann mehr ausmisten – herzlichen Glückwunsch! Sie können diese an das Umzugsunternehmen kostenlos zurückgeben.
- Das Büro: Sortieren Sie alte Unterlagen. Schreddern Sie alles, was keine Aufbewahrungspflicht mehr hat. Digitalisieren Sie wichtige Dokumente.
- Hobby/Sportartikel: Wollen Sie die verstaubte Staffelei wirklich noch im neuen Heim nutzen?
- Bad- und Hausapotheke: Entsorgen Sie abgelaufene Medikamente und alte Kosmetika fachgerecht.
- Bestellen Sie Sperrmüll. Planen Sie Fahrten zum Recyclinghof / Altkleidercontainer etc. ein.
2 Wochen vorher: Die „Vielleicht-Kiste“ schließen
Treffen Sie letzte Entscheidungen für alle Dinge, die bisher auf dem Vielleicht-Stapel gelandet sind. Alles, was bisher nicht verkauft wurde, wird nun verschenkt oder gespendet. Ihr Ziel ist es, in den letzten zwei Wochen nur noch das einzupacken, was wirklich mitkommt. Denken Sie daran, dass die Wohnung/Haus mindestens eine Woche vor dem Umzug übergeben werden muss und dann besenrein sein muss.
Die ultimative Ausmist-Checkliste Raum für Raum
Damit Sie am Ende nicht vor einem Berg an Entscheidungen stehen, können Sie diese Liste als Leitfaden nutzen. Haken Sie die Räume nacheinander ab, das gibt ein tolles Erfolgsgefühl.
- Küche und Vorratskammer: Elektrogeräte (Toaster, Waffeleisen, Entsafter) – was wurde im letzten Jahr wirklich genutzt? Geschirr und Besteck: Übrig gebliebene Einzelteile, angeschlagene Tassen, das zwölfte Weinglas wird aussortiert. Plastikdosen: Jede Dose ohne Deckel und jeder Deckel ohne Dose fliegt raus.
- Kleiderschrank und Textilien: Alles, was in den letzten 12 Monaten nicht getragen wurde, kommt weg. Bettwäsche und Handtücher: Behalten Sie zwei Sets pro Person. Alte, ausgefranste Handtücher können oft an Tierheime gespendet werden.
- Badezimmer: Kosmetik und Proben: Eingetrockneter Nagellack, alte Sonnencreme, die unzähligen Hotelshampoos werden aussortiert. Medikamente: Verfallsdatum prüfen!
- Wohnzimmer & Büro: Bücher über Portale wie Momox oder Booklooker verkaufen. Das Handy von 2012 kann endlich weg (Achtung: Es können noch Daten drauf sein, achten Sie auf die richtige Entsorgung!).
- Keller, Dachboden und Garage: Campingausrüstung, die man irgendwann mal nutzen wollte, oder instabile Umzugskartons kommen weg.
Gönnen Sie sich nach jedem Raum eine Belohnung! Feiern Sie den Fortschritt!
Die Psychologie des Loslassens: Warum Ausmisten so schwerfällt
Unser Gehirn ist darauf programmiert, Dinge für schlechte Zeiten aufzubewahren. Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es fast körperlich weh tun kann, ein altes T-Shirt wegzuwerfen, das man seit Jahren getragen hat? Die Antwort liegt in unserer Psychologie. Wer versteht, was im Kopf passiert, kann die emotionalen Blockaden beim Umzug leichter lösen.
Der „Besitztumseffekt“
In der Verhaltensökonomie beschreibt dieser Effekt, dass wir Dinge allein deshalb wertvoller einschätzen, weil wir sie besitzen. Sobald uns etwas gehört, schreiben wir ihm einen ideellen Wert zu, der oft über dem materiellen Wert liegt.
Die Angst vor der Reue
Oft behalten wir Dinge, weil sie teuer waren. Aber das Geld ist ja bereits weg. Der Gegenstand wird nicht wertvoller, indem er teuren Platz in der neuen Wohnung einnimmt. Er erinnert Sie dort nur täglich an Ihren Fehlkauf. Befreien Sie sich von diesem negativen Anker.
Erinnerungen vs. Gegenstände
Wir koppeln Gegenstände oft an geliebte Personen oder Lebensabschnitte. Die Lösung: Erinnerungen leben in Ihnen, nicht in Plastik oder Porzellan. Fotografieren Sie sentimentale Dinge. So können Sie die Erinnerung später noch einmal abrufen.
Jeder Gegenstand in Ihrer Wohnung ist ein visueller Reiz, den Ihr Gehirn verarbeiten muss. Unordnung führt nachweislich zu einem erhöhten Cortisolspiegel. Ausmisten ist daher aktive Selbstfürsorge und schafft mentale Bandbreite.

